January 15, 2007...2:12 am

Das war 2006: “Cool Deutschland” zieht an allen vorbei!

Der Jahresrückblick auf zweitausend Jahre deutsche Geschichte vom Schwarz-Rot-Obergeilen schlechthin, dem Spiegel-Kulturchef Matussek. Ich dokumentiere hier den Sermon unkommentiert. Der Wahn in den folgenden Zeilen spricht für sich selbst.

“Wir sind perfekt”

Das Jahresende ist der Moment an dem sich Leitartikler und Feuilletonisten fragen: Was lässt sich verbessern? In unserem Fall ist die Antwort klar und einfach, nämlich: Gar nichts! Wir sind perfekt!

Wir haben in diesem vergangenen Sommer bewiesen dass wir freundlich und tolerant und weltoffen sind und den schönsten Fussball sowieso spielen und die schönsten Fans haben.

Schwarz-Rot-Gold sind Hippiefarben, haben nichts mit dem Weltkrieg zu tun sondern eher mit Woodstock. Und in diesem neuen deutschen Optimismus brummt auch die Wirtschaft und zieht an ‘Cool Britannia’ vorbei und auch an den Amis!

Was kann man da noch verbessern?

Im Kino erleben wir ein Wunder nach dem anderen. Die deutschen Filme werden sehr gut besucht. Hollywood reisst sich um deutsche Talente und gerade ist Florian Henckel von Donnersmarcks Film “Das Leben der anderen” für die Emmys nominiert worden. In der Kunstszene läuft gar nichts ohne deutsche Maler wie Gerhard Richter und Neo Rauch. In der Literatur Daniel Kehlmann mit seiner “Vermessung der Welt”, ein internationaler Bestseller – New York liegt ihm grade zu Füssen.

Im Theater, Hans Neuenfels hat mit seiner “Idomeneo”-Inszenierung bewiesen wie liberal und mutig wir alle sind, indem er die Köpfe von Jesus und Mohammed hat rollen lassen. Was ist da noch zu verbessern? Gut, er hätte vielleicht Moses auch noch den Kopf abschlagen können, aber sonst.

Wir sind so perfekt dass wir kleinere Fehler und mittlere Niederlagen einbauen. Wir verlieren das entscheidende Spiel gegen Italien. Wir verhässlichen und verstümmeln den Hauptbahnhof in Berlin. Wir leisten uns eine Gesundheitsministerin deren Vorstellung von ‘Wirtschaften’ aus einer sibirischen Kolchose stammt. Ja, wir leisten uns sogar Neonazis im Osten um von unserem zutiefst demokratischen Lebensglück abzulenken.

Der Streit um die daenischen Karikaturen – wer erinnert sich heute noch daran? Die kalkulierte Beichte von Grass bei der SS mitmarschiert zu sein – wer war Grass nochmal? Die Stürme um Tankred Dorsts “Ring”-Inszenierung, der islamistische Hetzfilm “Das Tal der Wölfe”, Feuilleton-Gekräusel ohne jeden Nachhall.

Mein Kulturtip des Jahres:
Es gibt diese Ausstellung im Berliner Zeughaus die mir imponierte. Eine Ausstellung über die deutsche Geschichte. Sie macht klar dass deutsche Geschichte nicht erst 1933 beginnt sondern mit dem Sieg der germanischen Guerilleros über die römischen Besatzer im Teutoburger Wald vor 2000 Jahren! Und danach jede Menge Inspirierer, Dichter, Sänger, Forscher, Weltbeweger – die grossen Verbrecher und Zerstörer werden sicher nicht verschwiegen.

In anderen Ländern gehört es zur Routine dass man sich ab und zu selber auf die Schultern klopft. In Deutschland – vor allem in der Meinungsmacherelite – gilt es immer noch geradezu als Verbrechen. Wir Deutschen haben neurotische Blockaden damit. Doch dieser Sommer hat auch das verändert.

Besuchen sie diese Ausstellung im Zeughaus. Schauen sie sich staunend zurück. Begreifen sie woher wir kommen und damit auch besser wo wir hingehen. Und damit ein schönes 2007.