Kleine Richtigstellung. Nein, ich lebe noch!
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Aber stimmt schon, das geht oft schneller als man glaubt.
Im Kiezmeile-Magazin für Schöneberg/Kreuzberg Ausgabe Sep/Okt 2006 schreibt sich eine gewisse Janna Hennicke schwarz-rot-geil:
Also, ich kann euch sagen, ich fand diese ganze Aufregung um den Fußball ja schon irgendwie berauschend, auch wenn ich ‘ne Frau und sowieso kein großer Fan vom runden Leder bin. Auf jeden Fall gehöre ich inzwischen dazu. Zu diesen Verfechtern der WM und ihrer ungemein positiven Wirkung. Wenn man es schafft, fußballmuffelige, anti-patriotische und von der vielen Werbung genervte Menschen zu Fahnen schwenkenden und Fußballsongs grölenden Deutschlandfans umzupolen, ist das schon ein bezeichnender Vorgang.
Schliesslich hat meine Generation von der Pike auf ein gespaltenes Verhältnis zu ihrem Land, ihrer Nation, den Deutschen an sich, anerzogen bekommen. “Deutsch Sein” galt als verpönt, man wurde in eine Ecke gedrängt, aus welcher man sich ständig entschuldigen und rechtfertigen musste, wenn man sein Land und irgendwie auch die deutschen Eigenarten mochte. Schließlich sind wir Deutschen ja ein ganz böses Volk und tragen die Veranlagung zur Massenhörigkeit, zum Antisemitismus und zum Genozid in unseren Genen. Wir fühlen uns immer noch schuldig für damals Geschehenes, wir senken unser Haupt in tiefster Demut vor ungebildeten Amerikanern, die glauben, dass Hitler immer noch lebt, und wir wollen und sollen eigentlich keine Deutschen sein.
Mann echt, wie nervig ist das bisher immer gewesen. Ich sage bewusst “bisher”, denn aus meiner Sicht hat sich in Hinblick darauf einfach etwas Grundlegendes verändert. Es wird gerne so getan, als könnte die dritte Generation die unabdingbare und absolut notwendige Aufarbeitung der Geschichte nicht mit einem positiven Umkehrschluss verbinden. Wir verstehen die Brisanz dieses Themas, wir kommen nicht umhin – was auch nötig ist – uns sehr intensiv damit auseinanderzusetzen, aber bedeutet das automatisch immer noch eine Verleugnung des persönlichen Ursprungs?
Durch das Aufeinandertreffen so vieler Nationen in unserem Land konnten wir im wahrsten Sinn des Wortes Flagge zeigen: Säuglinge in schwarz-rot-goldenen Stramplern; Vatis, Muttis und deren Kinder inklusive Opa und Oma haben sich mit größter Hingabe der deutschen Elf zugewandt. Befand man sich einmal in der tobenden Menge, egal wo, musste einen das Fieber zwangsläufig erfassen. Dass es die klassischen Fußballabende bei der EM oder ähnlichem gibt, wo auch mal eine Fahne durchs Bild geschwenkt wird, ist schon klar. Aber diesmal war es allumfassend, einzigartig und vor allem gemeinsam. Man traute sich, sich offen zur deutschen Nationalität zu bekennen. Man war kein Rechtsradikaler nur wegen schwarz-rot-goldener Kriegsbemalung oder der Flagge. Man schrie einhellig: “Deutschland, Deutschland, Deutschland” und man fühlte sich gut dabei. Dieses “man” steht exemplarisch dafür, dass es nicht nur mir so ging, sondern viele Gleichaltrige sich offener zu Deutschland bekannt haben und es auch weiterhin tun werden. Es war ein sehr ungewohntes und gewöhnungsbedürftiges Verhalten, welches sich auch in diesem Maße nicht mehr zeigen wird. Man muss es ausprobieren und in den Alltag mitnehmen, diese neue Freiheit “Deutsch zu sein”.
Auf die Frage wie man denn mit dem Problem der Wahlerfolge von Neonazis umgehen solle meinte Spiegel-Kulturchef Matthias Matussek kürzlich: “Mehr Nationalstolz, ganz klar!”

Die Berliner Querfront-Maler sind sauer weil jemand so nett war und ihren “Defend your Nation against US-Aggression”-Schriftzug in der Schönhauser Allee unkenntlich gemacht hat. Und verblödet wie sie sind fällt ihnen nichts dümmeres ein als mit einer Todesdrohung gegen die Crosser zu reagieren. Denen kann ich nur danken und bin gespannt welche von den SW-Hetzparolen als nächste verschwindet.
Im Tagesspiegel durfte Clemens Wergin – der auch gerne bei der Achse des Guten zitiert wird – den Libanoneinsatz der Bundeswehr als Meilenstein einer “Zurück zur Weltmacht”-Entwicklung bejubeln. Sinnigerweise setzt er dabei Deutschland mit Begriffen wie “Alteuropa” bzw. “Kontinentaleuropa” gleich und bringt diese Begriffe offensiv gegen die wie er es nennt “Angelsachsen” in Stellung. Und das “deutsch-israelische Sonderverhältnis” erfährt natürlich durch die israelische Befürwortung eines Einsatzes der Deutschen ganz neue Weihen. Die Weltmacht Deutschland – Israels neuer Waffenbruder. Ein Totlacher.
Diese Mission bildet den Schlussstein einer Neudefinition der deutschen Außenpolitik, die vor sieben Jahren mit dem Kosovokrieg begann. Auch wenn die viel beschworene „Normalisierung“ mehr Sehnsuchtsbegriff bleibt als Abbildung deutscher Realitäten, so lässt sich doch feststellen: Die Aufgaben, die die Bundesrepublik inzwischen global übernimmt, nähern sich dem, was man vom größten Staat in Europa und einem der wirtschaftlich und politisch bedeutsamsten Länder der Erde erwarten kann. Dazu gehören immer öfter friedenserhaltende oder friedenserzwingende Einsätze der Bundeswehr.
Im Libanon wird aber auch das alteuropäische Politikmodell getestet. Die USA und Großbritannien sind nicht Teil der Unifil-Mission, weil der Irakkrieg ihrem Image in der arabischen Welt sehr geschadet hat. Nun müssen die Kontinentaleuropäer zeigen, dass ihr Mix aus Politik und militärischem Engagement besser funktioniert als der der Angelsachsen. Das deutsch-israelische Sonderverhältnis gibt dem Ganzen zwar eine geschichtsmetaphysische Note. Die Libanon-Mission wird aber darüber hinaus erweisen, wie erfolgreich deutsche und europäische Außen- und Sicherheitspolitik sein kann in einer Region, die Europas Sicherheit unmittelbar tangiert.
von dir würde ich gerne wissen was der Nahostkonflikt mit den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus zu tun hat?


Unbekannte werfen Farbbeutel auf Papst-Geburtshaus in Marktl am Inn.
Fassade wurde extra für Besuch renoviert!
Haha, find ich gut. Schrubben für’n Herrgott. Fegefeuer-Award-verdächtig.

Ihre Namen stehen für die schönen Dinge des Lebens: Morgen abend eröffnen Niels Humpert und Sascha Suden (Florales, Interieurs, Events) nach ihren Geschäften am Potsdamer Platz 4 und am Olivaer Platz das temporäre Design-Mekka “Good old Germany” am Beisheim Center. Bis zum August versammeln die Unternehmer außergewöhnliche Souvenirs, die für Deutschland stehen.
Auf die Idee gebracht hatte sie eine Vorgabe ihres Kunden “MasterCard”. Für die VIP-Gäste der Kreditkarten-Firma gestalten Humpert und Suden das Finalwochenende der Fußball-Weltmeisterschaft in und um Berlin. Motto: “Good old Germany”.
Die Tageszeitung Die Welt bietet ja so einiges an Einblicken. Nicht nur dass dort geistreiche Autoren wie Hannes Stein und Mariam Lau pointiert das Zeitgeschehen kommentieren. Nein, auch einfachere Gemüter findet man dort zuhauf die sich wie Peter Gauweiler Gedanken zu den Einsparungen beim Goethe-Institut machen. Ich dokumentiere hier auszugsweise das heute erschienene Interview. Darin erfahren wir ua. dass “die Kulturnation Deutschland” mehr zu bieten hat als westliche Verfassungswerte und was man unter “Sprachsolidarität” versteht.

WELT: Caspar David Friedrich nach Peking – ist das die Lösung?
Gauweiler: Zum Beispiel! Das ist besser als die ewige Belehrerei über Multikulturalismus und Globalisierung. Auch wenn sie im Goethe-Institut heute nicht mehr so schön links sind wie früher, sondern nur noch pastell. Uneigennützig, wie wir sind, stellen wir immer noch viel zu oft das zurück, was die eigene Kulturnation zu bieten hat, kommen nicht so “naiv” wie die Italiener oder Franzosen mit der “alten” Kultur daher, sondern sagen lieber, wie die anderen ihr Land und die Welt ordnen müßten, um heil zu sein – geschlechtsneutrales Formulieren und Datenschutzbeauftragte inklusive. Wir sollten die Darstellung des eigenen kulturellen Erbes im Ausland nicht verplätschern lassen. Bei allem Respekt vor den westlichen Verfassungswerten, die ja nicht auf eine Nation und eine Kulturform beschränkt sind: Wir wollen uns doch nicht verkaufen als europäische USA. Im Wappen des US-Präsidenten steht “Ex pluribus unum” – aus vielem eins: Einheitsessen, Einheitsstraßen, Einheitskleidung. Der kulturelle Wert Europas besteht dagegen in seinen kulturellen Unterschieden. Und wenn die Leute in der geographischen Mitte, die Deutschen, da nicht mehr mitmachen, klafft dort ein kultureller Riesenkrater.
WELT: Das sehen doch auch viele Alt-Linke inzwischen so.
Gauweiler: Durchaus. Ich hätte nie gedacht, daß ich mal eine gemeinsame Initiative starten würde mit der Grünen-Politikerin Antje Vollmer für mehr deutschsprachige Musik im heimischen Radio: Vollmer wollte sogar 40 Prozent Deutschanteil, wogegen unsere Marktdogmatiker gleich protestiert haben. Oder daß Jutta Limbach die Aktion “Deutsch: Die Macht der Sprache” startet – früher hätten wir uns Mut antrinken müssen, um so etwas von uns aus vorzuschlagen.
WELT: Der Generalsekretär des Goethe-Instituts hält das Sprachangebot seiner Häuser in Europa für nicht mehr vertretbar, weil es genug private Anbieter gebe. Auch das Auswärtige Amt will die Arbeit in Europa herunterfahren. Gibt es noch den politischen Willen, da gegenzusteuern?
Gauweiler: Ja. Sollen denn in Rom oder Kopenhagen oder Paris keine deutschen Bücher mehr ausgeliehen werden dürfen, weil das Goethe-Institut jetzt unbedingt in den Golfstaaten eine Repräsentanz eröffnen will? Selbstverstümmelung ist kein Weg zur Mehrung des Ansehens.
WELT: Aber muß das auch in Genua oder Bari sein?
Gauweiler: Jede Schließung eines bestehenden Goethe-Instituts ist eine Niederlage für Deutschland als Kulturnation. Reden wir doch einmal über die Zahlen. Nach einer Statistik der EU gibt es in der erweiterten Union 81 Millionen Menschen mit Deutsch als Muttersprache und 63 Millionen, die Deutsch als Zweitsprache sprechen. Zusammen sind das mehr als die vergleichbaren Zahlen beim Englischen. Es gibt im Bundestag bei allen Parteien wieder den Begriff der “Sprachsolidarität”. Man findet doch heute von Alice Schwarzer bis zur rechten “Jungen Freiheit” niemanden mehr, der nicht fordert, daß Ausländer, die zu uns wollen, besser Deutsch lernen müssen. Das ist die Stunde der Goethe-Institute.
WELT: Aber wo kürzen, wie umschichten?
Gauweiler: Wir reden beim Goethe-Institut über einen Jahresetat von unter 110 Millionen Euro, dazu kommen 40 Millionen Programm-Mittel. Das ist weniger, als ein Autobahndreieck kostet. Der Bundeswehreinsatz im Kongo, über dessen Sinnhaftigkeit kein Parlamentarier Erklärungen abgeben will, kostet auf fünf Monate fast 50 Millionen Euro. Und Deutschland hat keine 20 000 Euro für den Erhalt der vielbenutzten und traditionsreichen deutschen Bibliothek in Helsinki. Haben wir denn alle politischen Maßstäbe verloren? Am Ende geht es um die Grundsatzfrage: Wie stellt sich das vereinte Deutschland in der Zukunft wieder dar? Mit einem politologischen Konzept? Oder als eine der ältesten und wichtigsten Kulturnationen?
WELT: Welche Schwerpunkte würden Sie setzen?
Gauweiler: Wir sind nun einmal ein Teil Europas, hier liegt unser kulturelles Biotop, von dem wir leben. Wir können nicht die ganze Welt anmachen und das unmittelbare kulturelle Umfeld vernachlässigen. Das Goethe-Institut ist keine Reserve-UN. Und Stammkundschaft geht vor Laufkundschaft.
Peter Gauweiler, geb. 1949, ist Ehrenoffizier der Gebirgsschützenkompanie Traunstein. Die bayerischen Gebirgsschützen sind der Traditionsverband der Gebirgsjäger, die am 20. September 1943 auf der griechischen Insel Kephallonia ca. 4.000 italienische gefangengenommene Soldaten massakrierte. Die “Elitetruppe der Gebirgsjäger” war auch an Deportationen von Juden beteiligt. Peter Gauweiler ist ausserdem Träger des Titels “Ehrenfreund” der Stadt Tel Aviv.
Längst vergessen scheint Karl Kraus’ zeitlose Wahrheit: “Das Familienleben ist ein Eingriff in das Privatleben”.Plötzlich wird die gute alte Familie wieder zur nagelneuen Gesellschaftsutopie, zum heiligen Gral einer ziellos individualisierten Welt, in der keine Kinder mehr geboren und nicht einmal “zeitaufwendig gesund gekocht” wird, wie “Tagesschau”-Sprecherin Eva Herman erschreckt festgestellt hat.
War da nicht was – Familie nicht nur als Liebesnest, Notgemeinschaft und Zweckverband, sondern auch als Terrorgemeinschaft, die kleine Hölle in den eigenen vier Wänden? Waren die Patientinnen Sigmund Freuds etwa frustrierte RTL-Moderatorinnen, die ihren Schöpfungsauftrag vergessen hatten?
Ist die Familie nicht seit jeher ein erstrangiger Quell für schwerste psychische und sexuelle Deformationen gewesen? War sie nicht immer auch ein Ort von Seelenqualen und Gewaltexzessen aller Art, nicht zuletzt von Mord und Totschlag? Gibt es nicht überhaupt erst deshalb staatliche Familienfürsorge, Jugendämter und andere Behörden, die im schlimmsten Falle eingreifen müssen? Sind die jüngsten Familientragödien mit mehrfachem Kindsmord, Verhungernlassen, Vergewaltigung durch den Vater und anderen Unsagbarkeiten schon vergessen, wenn der Wetterbericht kommt?
Und ist es nicht der Gipfel der Heuchelei, von jener Institution namens Familie die Lösung unserer Probleme zu erwarten, deren perfektes Funktionieren zur Zeit des Nationalsozialismus eine der verlässlichsten Stützen des menschenverachtenden Regimes war?
Es ist eine Binsenweisheit, aber offenbar muss man an sie erinnern: Die Unschuld der Familie ist längst verloren – wie die aller bürgerlichen Institutionen. Es gibt kein Zurück in eine vermeintlich heile Welt, sondern nur die Suche nach neuen Formen und Kombinationen. Phantasie ist gefragt statt simpler Nostalgie, Kreativität statt reaktionärem Kitsch.
Frau Herman und allen anderen frisch getauften Hohepriestern der Family Values sei gesagt: Wer völlig “intakte” Familien sucht, soll doch in die arabische Welt schauen, in Iran und den Irak, nach Sizilien oder nach Berlin-Kreuzberg. Da herrscht sie noch, die “jahrtausendealte” Familientradition.
Dort existiert jene muslimisch-archaische Parallelwelt des Patriarchats, in der es “ein vom Familienverband losgelöstes ‘Ich’ gar nicht gibt”, wie die Soziologin Necla Kelek zu Recht sagt. “Der Sohn ist dem Vater, dem älteren Bruder, dem Onkel sowie Gott gegenüber zu ‘Respekt’, sprich Gehorsam, verpflichtet … Die Männer kontrollieren die Frauen im Namen der Familie. Diesem Islam fehlt das Konzept der entscheidungsfähigen, moralisch verantwortlichen Person vollkommen.”
Allah, Stolz und Ehre – das ist alles, was zählt. Die Würde des Menschen ist antastbar, wenn es dem Familienrat gefällt, einem autoritär-archaischen Kollektiv.
Und es ist kein Zufall, dass die demographisch rasant wachsenden jungen Gesellschaften der arabisch-islamischen Welt mit ihren dominanten Familienstrukturen durchweg undemokratisch, ja totalitär geprägt sind.
Die moderne Pest der Selbstmordattentate ist eben nicht nur religiös-ideologisch motiviert: Sie hat ihren Kern auch in der autoritären Familie, in der die Unterdrückung von Freiheit, Individualität und Sexualität Gesetz ist.
Die “tapferen” Mütter selbst “opfern” ihre Söhne für den Dschihad, gebären für den Tod, der das Heil im Paradies verspricht. Auch der jüngste Berliner “Ehrenmord” an Hatan Sürücü war ja eine reine “Familienangelegenheit”.
Es stimmt: Die Emanzipation des Subjekts hat ihren Preis. Aber er kann nicht darin bestehen, die gewonnene Freiheit einfach wieder einzukassieren. Diesen Preis würde Evchen Herman zuallerletzt entrichten. Schöpfungsauftrag hin oder her.Aber gut, dass wir mal drüber gesprochen haben.
Quelle: Reinhard Mohr für “Der Spiegel”